Auf der Baustelle geht es voran. Alexander Steinbrecher, zweiter Vorsitzender des Vereins „Für Bauschheim“, und Hauswart Wilfried Wolf sind mit dem Fortschritt der Sanierungsarbeiten im Bürgerhaus zufrieden.
 
Von den Decken hängen Strippen, in den Ecken stehen Farbeimer und Geräte. Es riecht nach Baustelle. Kein Wunder, denn genau das ist das Bauschheimer Bürgerhaus ja auch. Seit neun Monaten werkeln und arbeiten Aktive des Vereins „Für Bauschheim“, um aus dem maroden Objekt ein wieder vorzeigbares und vor allen Dingen uneingeschränkt nutzbares Bürgerhaus zu machen. Alexander Steinbrecher, zweiter Vorsitzender des Vereins, führt durch den Bau, welcher vor gut einem Jahr noch vor der Schließung stand und der seit November vergangenen Jahres saniert wird. „Wir haben es nicht bereut, diesen Weg zu gehen“, bekräftigt er.
450 000 Euro als Unterstützung
Als die finanziell klamme Stadt nicht bereit war, zwei Millionen Euro in das marode Bauschheimer Bürgerhaus zu investieren, gab es zur unvermeidlichen Schließung eine Alternative: Der Verein „Für Bauschheim“ übernahm als neuer Eigentümer das mehr als 50 Jahre alte Objekt und bekam im Gegenzug die Zusage der Stadt für eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 450 000 Euro. Mehr bekommt der Verein von der Stadt nicht und muss daher Kreativität beim Werben um Spenden zeigen.
Denn auch ein saniertes Bürgerhaus kommt nicht ohne Unterhaltskosten aus. „Bald können Unterstützer für zwölf Euro im Jahr Patenschaften für das Bürgerhaus übernehmen“, kündigt Steinbrecher bei einer Baustellenbesichtigung an. Und es gibt ja auch noch den „Bürgerhaus-Soli“: Auf jede verkaufte Eintrittskarte wird ein Zuschlag von einem Euro erhoben, der zugunsten des Vereins „Für Bauschheim“ beziehungsweise des Bürgerhauses geht.
Einsparpotentiale werden genutzt
In der Küche des Bürgerhauses ist nicht zu übersehen, dass die Bauarbeiten gut vorangekommen sind. Sie ist fast komplett neu ausgestattet. Investiert wurden dafür lediglich rund 30 000 Euro. Geld gespart wurde etwa mit dem Griff zu gebrauchten Geräten. Zudem haben die Aktiven – allen voran Ortrud Guthmann – etliche Stunden ihrer Freizeit geopfert. Neben dem Saal des Bürgerhauses steht die neue Lüftungsanlage. Kosten: Rund 80 000 Euro. „Dabei handelt es sich zwar nicht um eine Klimaanlage, aber sie kühlt sehr gut“, zeigt sich Steinbrecher zufrieden. Das Restaurant kann derzeit nicht genutzt werden. Aber bis Anfang September müssen die Umbauarbeiten dort abgeschlossen sein. „Am 4. September haben wir die erste Buchung für eine Feier“, erläutert Wilfried Wolf, einer der neun Hauswarte des Bürgerhauses.
Die Zeit drängt also, und mit den typischen Problemen fast jeder Baustelle haben die Bauschheimer auch zu kämpfen. Im ersten Stock herrscht nämlich Baustopp. Für die dortigen Räume hat die Stadt Ansprüche angemeldet, sich bislang aber noch nicht konkret geäußert. Den Bauschheimern fehlen Informationen. „Mitte August soll es dazu ein Gespräch geben.“ Denn langsam wollen die „Für Bauschheim“-Aktiven wissen, wie sie die Strippen verlegen müssen. Wenn die Stadt die Räume nicht belegen will, wovon Steinbrecher nicht ausgeht, müsste der Verein die Räume anderweitig vermieten.
In vielen Kommunen der Region sind die alten Bürgerhäuser marode. Und kaum eine Kommune hat die notwendigen Finanzen für eine grundlegende Sanierung oder einen Neubau. Das Bauschheimer Modell scheint von Erfolg gekrönt. In knapp einem Jahr will der Verein die dann runderneuerte „guud Stubb“ wiedereröffnen. Als Patentrezept will Alexander Steinbrecher das Bauschheimer Modell allerdings nicht in den Himmel loben. „Man muss wissen, worauf man sich einlässt“, sagt er.